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Seniorenzeitung Oktober 2007

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Elfenbein im Odenwald. Von der Geschichte bis zur
heutigen Mammutverarbeitung
 

Die Geschichte des Elfenbeins in Erbach reicht bis ins achtzehnte Jahrhundert zurück und hat den Odenwädern neben der Landwirtschaft eine zusätzliche handwerkliche Einnahmequelle beschert. Durch den längst überfälligen Artenschutz im zwanzigsten Jahrhundert, und den daraus resultierenden Elfenbeinmangel, mussten andere Materialen zur Verarbeitung gefunden werden und es sollte nicht lange dauern einen ähnlichen Werkstoff zu finden.

Herkunft

Hauptsächlich wird Elfenbein aus den Stoßzähnen von Elefanten gewonnen, teilweise auch von fossilen Überresten ausgestorbener Elefanten wie den Mammuts. Daneben gibt es auch noch solches aus den Zähnen von Nilpferden, Wildschweinen, Walrossen, Pottwalen und Narwalen.

In Sibirien findet man
den Mammut bei ge-
schmolzenen Gletschern

Der größte gefundene
Elefantenstoßzahn,
in Deutsch-Ostafrika

Geschichte

Bereits in der Steinzeit wurde das Elfenbein für Werkzeuge und Waffen verwendet. Da Elefanten wegen ihrer Stoßzähne von Wilderern massenhaft getötet wurden und am Rande des Aussterbens standen, wurde 1989 der Handel mit Elfenbein weltweit eingeschränkt (in manchen Ländern ist der Handel unter sehr strikten Auflagen erlaubt). Mammutelfenbein ist davon jedoch ausgenommen, da Mammuts schon in prähistorischer Zeit ausgestorben sind.
Das
Elfenbeinschnitzen und -drechseln wurde durch Graf Franz I. zu Erbach-Erbach etabliert, der diese Kunst 1775 während seiner „Grand Tour“ durch Europa erlernte. Nach seiner Rückkehr richtete er in seinem Schloss eine Musterwerkstatt ein und machte die Dreher und Schnitzer der Grafschaft Erbach mit dem Handwerk bekannt, um ihnen mit der Elfenbeinschnitzerei neue Erwerbsmöglichkeiten zu eröffnen. Mit der Gründung der Drechslerzunft wurde 1783 die Voraussetzung für den Aufstieg Erbachs zu einem bedeutenden Zentrum der deutschen Elfenbeinverarbeitung geschaffen.
 

Der Elfenbeinschnitzer

Das Handwerk des Elfenbeinschnitzers kann innerhalb von drei Jahren erlernt werden. Voraussetzung ist ein Hauptschulabschluss, handwerkliches Geschick, Interesse, Phantasie, Motivation und Formgefühl. Neben der reinen Schnitztechnik gehört das Formen und Modellieren als Grundfertigkeit zum Berufsbild des Elfenbeinschnitzers. Dabei spielt die Vermittlung von Modell- und Abgusstechniken eine große Rolle. Die Umsetzung dieser Techniken erfolgt in der Fachstufe 1 mit der Herstellung einer plastischen Arbeit (Figur) in Mammutelfenbein. Durchbruchsarbeiten, Reliefs und vollplastische Objekte (Tiere, Menschen) sowie Schmuck.

Mammut als neuer Werkstoff

Ein ganzer Stoßzahn wird
bearbeitet, solche Exponate
können sie im Deutschen
Museeum  finden

Das eiszeitliche Elfenbein wird wissenschaftlich ausgewertet, bevor es in den Handel kommt. Die Elfenbeinsammler (in Sibirien) dürfen nur mit staatlicher Genehmigung bestimmte Gebiete absuchen. Interessant für Museen sind nach wie vor komplette Skelette oder gut erhaltene Kadaver die jedoch sehr selten sind. Doch die Mammut Stoßzähne und Zahnfragmente werden in solchen Mengen gefunden dass die Museen auf der Welt abwinken, könnte man doch deren Fundus mit Knochen und Mammutzähnen ‚ausfüllen’.

Mammut als besonderer Werkstoff

Nach dem Welthandelsverbot 1989 drohte das Elfenbeinschnitzerhandwerk auszusterben. Doch nach den Funden des Mammuts kam wieder Licht am Horizont. Durch die Jahrtausende lange Lagerung im Ewigen Eis ist das Elfenbein natürlich nicht so gut erhalten wie heutiges. Deutlich sind Frostrisse zu sehen, viele Zähne ‚platzen’ regelrecht in Schichten auseinander. Die feinen Mineralien und Metalle verfärben das Elfenbein von beige bis dunkelbraun, von blau bis grün in allen Nuancen, bis hin zum Tiefschwarz – und die Farben sind mitunter in wunderschönen Strukturen und Mustern vermischt. Dies alles macht das Mammutelfenbein unverwechselbar, und einzigartig.

Das Deutsche Elfenbeinmuseum

Das deutsche Elfenbeinmuseum wurde 1966 in Erbach im Odenwald gegründet, wo durch den Grafen Franz I. zu Erbach-Erbach im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts der exotische Werkstoff Elfenbein bei den Bein- und Horndrehern etabliert worden war. In der Folgezeit entwickelte sich Erbach zur deutschen "Elfenbeinstadt" und zählte zu den bedeutendsten europäischen Zentren der Elfenbeinschnitzerei. Auch heute noch sind Elfenbeinwerkstätten in Erbach aktiv, die nach dem Welthandelsverbot für Elefantenstoßzähne von 1989 auf fossiles Elfenbein und alternative Werkstoffe umgestellt haben.Die ständige Ausstellung des in einem modernen Gebäude untergebrachten und in Umfang und Art als einzigartig geltenden Museums umfasst mehr als 2.000 Exponate unterschiedlichster Provenienz und Entstehungszeit. Die europäische Elfenbeinkunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart wird ebenso präsentiert wie die Schnitzkünste Afrikas, Asiens und Grönlands. Einen Schwerpunkt der Sammlung bilden naturgemäß die Arbeiten der Odenwälder Elfenbeinschnitzer des 19. und 20. Jahrhunderts. Auch über die Techniken, Werkzeuge und Materialien der Elfenbeinverarbeitung informiert das Museum, regelmäßige Schnitzvorführungen in der Museumswerkstatt veranschaulichen die Arbeit mit Elfenbein.
Über die ständige Ausstellung hinaus finden Wechselausstellungen statt, die häufig keinen unmittelbaren Bezug zum Elfenbein aufweisen.

Info unter
www.Erbach.de

Exponate aus Mammut

Schmuck aus Mammut im Internet gefunden

Tipps für Interessierte

Privates Elfenbeinmuseum Michelstadt
Privates Elfenbeinmuseum Walldürn

Informationen über das Thema Elfenbein und Mammut unter:
www.Wikipedia.de

Geschenktipp für Weihnachten, Mammutelfenbein als Schmuck. In Geschäften
von Michelstad und Erbach.
 


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