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Roli´s Heimatseite Spezial
Ein Herz aus Teig
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200 Jährige Lebkuchentradition im Odenwald
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Herzen überall: aufgereiht im Regal, bemehlt auf Backblechen, aus Rohteig auf der Arbeitsplatte, gestapelt in Kartons. Es sind echte Odenwälder Lebkuchen. Ohne Schokolade, ohne Zuckerguss, ohne Zierrat – bis auf eine kleine Mandel in der Mitte. Normalerweise. „Heute lassen wir die Mandel weg, denn wir backen für den Weihnachtsmarkt, die Lebkuchen werden noch mit Zuckerschrift versehen.“ Willi Baumann sen. weiß, was die Kunden wünschen, er ist mit und in der kleinen Backstube aufgewachsen. Die Lebkuchen- und Weihnachtsbäckerei Delp & Baumann in Reichelsheim-Beerfurth pflegt eine über 200-jährige Tradition.
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Lebkuchen und Bauer
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Die Saison startet Ende August und zieht sich bis Weihnachten. Was macht ein Lebkuchenbäcker den Rest des Jahres? „Da bin ich Cowboy mit Leib und Seele.“ Der Bauernhof hat ein Pferd, 20 Mütterkühe und ein paar Schweine. Letztere landen regelmäßig als Leberwurst oder Schwartenmagen in Dosen im winzigen Verkaufsraum hinter der Backstube. Ein kleines Zubrot für den Betrieb: „Früher waren die Lebkuchen ein Zusatzgeschäft zur Landwirtschaft.
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Da wurde aber auch erst ab 4. November gebacken. Heute ist das umgekehrt.“ Und längst fertigen die Baumanns nicht mehr nur Lebkuchen: Anisplätzchen, Kokosmakronen, Magenbrot, Butterplätzchen und Pfeffernüsse stehen auf auf dem Programm. Für die Anisplätzchen wird der Backofen sogar kurz vor Pfingsten angeworfen: Sie sind als „Walldürner Schießerli“ für die Wallfahrt bestellt. Der deckenhohe Ofen von 1949 fasst in seinen zwei Kammern insgesamt 18 Bleche. Er ist ideal für Lebkuchen, läuft ruhig, ohne Umwälzer, aber er ist anspruchsvoll: Ist der Backofen ausgekühlt, muss er schon mittwochabends angeheizt werden, damit am Montag gebacken werden kann.
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Ein gut gehütetes Geheimnis
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50 Gramm wiegt das Standardherz, ein Kilogramm das größte und 25 Gramm schwer sind die Kleinsten: für Kinderhände. Die Form hat der Chef, wie so viele, von einem befreundeten Schmied anfertigen lassen. „Da geh ich mit der Zeit und erfülle auch Kundenwünsche.“ Unsere älteste Form ist von 1824, ein geschnitzter Odenwälder Reiter. Aber den muss man ausschneiden. Für so was haben wir gar keine Zeit mehr.“ Die Bestellungen drängen. Bis Ende Oktober verkaufen die Baumanns ihre Ware selbst auf Bauernmärkten. Das Größte sind aber Aufträge, vor allem für Weihnachtsmärkte und Bäckereien in der weiten Region.
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Großkunde ist ein Schausteller auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt, der die Herzen selbst verziert. „Da bin ich stolz drauf. Mit dem hat bereits mein Großvater Geschäfte gemacht“, bekennt der Senior. Auch hier zählt die Tradition. Das Geheimnis der Baumannschen Lebkuchen ist die Gewürzmischung: „Die Zutaten sind ein absolutes Familiengeheimnis. So wie mein Vater mir das gezeigt hat, so habe ich das meinem Sohn gezeigt. Und mit Sicherheit ist er der Einzige, der das von mir gezeigt bekommt.“ Willi Baumann junior wird die Tradition fortsetzen und den Familienbetrieb zum Jahreswechsel übernehmen.
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Süßes Metier, Harter Alltag!
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Aus dem Hinterzimmer dringt ein beißender Geruch. Hirschhornsalz, das Backtriebmittel. Es brennt in den Augen. Hilde Baumann schließt die Zwischentür und beschwichtigt vergnügt: „Das vergeht gleich wieder. Beim Backen verflüchtigt es sich in drei Minuten.“ In dem kleinen Raum hinter der Backstube stehen zwei Knetmaschinen. Die einzige moderne Gerätschaft neben einer neuen Waage. Hier mischt der Chef täglich neuen Teig aus Mehl, Honig, Wasser, Hirschhornsalz und Gewürzen. Meist schon morgens um sechs. Um vier in der Früh hat er den Backofen wieder angeheizt und den Honig in zwei großen Blechtöpfen aufgekocht, damit um acht, wenn die anderen kommen, alles bereit steht.
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Die Anderen, das sind neben seiner Frau und seinem Sohn, Helfer aus der Nachbarschaft. Auch sie sind längst ein Stück Tradition. Wer, wie Mandy, erst acht Jahre dabei ist, gilt hier als Neuzugang. Die anderen treuen Seelen wie Barbara und Sonja helfen seit über 30 Jahren. Nach dem Mittag, geht es ab eins weiter bis in den frühen Abend, und wenn Weihnachten näher rückt, im November, wird sogar noch eine Spätschicht angehängt. Doch heute ist um 12 Uhr Schluss. Der Chef will noch Korn aussäen.
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Begriffs Erklärung in der Lebkuchenwelt
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Lebkuchen „Lebkuchen“ hat nichts mit „Leben“ zu tun. Vermutlich kommt der Begriff aus dem Lateinischen: „libum“, was „Fladen“ oder „Opferkuchen“ heißt. Oder er stammt aus dem Germanischen von „Laib“ wie „Brotlaib“. Die genaue Herkunft des Namens ist nicht geklärt.
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Herkunft Honiggesüßte Kuchen wurden schon bei den alten Ägyptern als Grabbeigaben gefunden. Erstmals schriftlich bezeugt sind gewürzte Honigkuchen von 350 v. Chr. Als Pfefferkuchen werden sie 1296 in Ulm erwähnt. „Pfeffer“ stand damals für alle fremdländischen Gewürze. Wegen der fremden Gewürze haben vor allem Städte an wichtigen Handelsknotenpunkten eine lange Lebkuchen Tradition.
Gewürze Die Gewürze geben Lebkuchen ihren typischen Geschmack. In der Regel eine Mischung aus Zimt, Nelken, Anis, Kardamom, Koriander, Ingwer und Muskat.
Varianten Lebkuchen kursieren auch unter den Namen Labe-, Leck-, Lebens- oder Pfefferkuchen oder auch Lebzelten. Je nach Region unterscheiden sich die Rezepturen erheblich.
Lebkuchen in der Küche Geriebene Lebkuchen dienten immer auch als Würz-, Binde- und Färbemittel in der Küche, noch heute. Wer sich beeilt, kann Gerichte aus Baumanns Lebkuchen im Odenwald versuchen. Dort finden bei 13 Gastronomen bis zum 17. Dezember die „Odenwälder Lebkuchenwochen“ statt. Mehr dazu unter www.odenwald-gasthaus.de
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Lebkuchen- und Weihnachtsbäckerei Delp & Baumann Marktplatz 8, 64385 Reichelsheim-Beerfurth (Odenwald) Telefon (0 61 64) 23 13 Öffnungszeiten Verkaufsraum: Mo bis Sa 8-12 und 13-18 Uhr, So 9-12 Uhr oder nach telefonischer Voranmeldung
Quelle: Entega Mittendrin Dez07
Link zum Thema: http://de.wikipedia.org/wiki/Gew%C3%BCrz
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Manfred Gries: Blasenschwäche
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Der Abend schaute lüstern in meine Gedanken und weckte meine Sinne für einen Spaziergang mit “Ich find deine Stimme schön“. Blumendüfte, Frühjahrsglanz in meiner Seele und die Dame meines Herzens neben mir - was kann schöner sein, als gemeinsam einen Abend in Wien bei lauschiger Frühjahrsluft und dem Käuzchen von nebenan zu verbringen. Das Käuzchen stimmte zu. “Kuckkuck, heute schauen wir uns einmal ein paar wunderschöne Häuser an. Ich will dir zeigen, wie mein Haus einmal aussehen wird“, lächelte mich die Architektin an und ich wechselte vorsorglich schon einmal das Schuhwerk. “Klar machen wir das“, erklang meine Antwort, während ich mir die Schuhbanderln durch die Finger gleiten ließ und geschickt eine Schleife band. Hübsch anzusehen. “Ich find deine Stimme schön“ ging noch einmal ins Gartenhaus zurück - ich trat derweil in die klare Nacht hinaus. Das Käuzchen klang seltsam lächelnd heute Abend, als würde es mehr von der Situation verstehen, die sich ereignen sollte auf diesem Spaziergang durch die kleine Gartensiedlung mit den schönen Häusern.
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“Ich bin fertig“, folgte mir “Ich find deine Stimme schön“ nach 5 Minuten. Was in dieser Zeit geschah, weiß ich nicht. Später wurde mir klar, dass sie noch schnell das WC aufgesucht hatte - man kann ja nie wissen, wie lange so ein Spaziergang dauert, Zwar hatte ich schon einige Erfahrungen gesammelt - das Abendessen mit Stockfisch und Spiegeleiern lag hinter mir - aber so richtig vorbereitet war ich denn nun doch nicht. Nur meine Schuhe machten einen angepassten Eindruck und so ging es los. Verschiedene Bauten begleiteten ihre Erklärungen, die sie mir zu geben wusste. “Lehm ist eigentlich ein sehr schönes Material“, erklärte sie. “Aber so ganz bin ich noch nicht überzeugt. Auch die Holzbauweise hat ihre Vorteile.“ Im Dunkel des Abends erschien ein aus Kiefernholz bestehendes Bauwerk vor unseren Augen. “Weißt du, Kuckuck, eigentlich sind natürlich Ziegel günstiger“, erklärte sie das nächste Bauwerk - ich verspürte einen leisen Druck auf meiner Blase. “Natürlich kann man auch in einem Lehmbau mit Fußbodenheizung beträchtlich Energie sparen“, erklärte sie dem aufkommenden Gefühl in meinem Unterleib. “Und das WC bringt man am besten im Keller unter, da spart man Kanalisation.“Vorsichtig nahm ich das Thema auf, das sie mir und meinem Unterleib zugeworfen hatte. “Du, ich muss einmal auf die Toilette“, ließ ich mich vernehmen. “Später“, lautete ihre Antwort und das Käuzchen schien kurz vor einem Lachanfall zu stehen. “Du kannst hier nicht einfach zu einem Busch gehen, wir sind hier in Wien. “Vielleicht können wir ja kurz ins Gartenhaus zurück“, warf ich ein. “Später“, antwortete sie. Das Wort “später“ prägte sich in meine Sinne und begleitet fortan den lauschigen Spaziergang, der uns nun zu einem weiteren Bauwerk mit WC im Keller führte. “Die Leute, die dieses Haus bewohnen, kenne ich“, fuhr sie fort. “Die haben das Holz selbst gesägt und mit einem Schreiner zusammen für wenig Geld die Außenfassade gestaltet. Sieht das nicht hübsch aus?“ Notdurftgedrungen stimmte ich ihr zu, während meine Lust eine erhebliche Verlagerung erfuhr und meine Sinne sich auf das Ende des Spazierganges zu konzentrieren begannen. “Können wir nicht kurz einen Abstecher nach Hause machen?“ Das Wort “später“ hatte ich vorausgesehen - trotzdem, einen Versuch war es wert.
Bau für Bau begleitete meinen Leidensweg und mit jedem Detail, das sie zu berichten wusste, suchten meine Gedanken Abwechslung im Keller jener Fassaden, die jede auf ihre Weise schön war. Das Käuzchen war inzwischen verstummt - wahrscheinlich vor Lachen vom Baum gefallen und der Abend neigte sich seinem Ende zu. Gerade rechtzeitig erreichten wir das kleine Gartenhaus, dass uns den Frieden der Nacht und mir das Ende meines Leidens gewährte. Es war “später“ geworden.
Quelle: estories, “wahre Geschichten“
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